Live Debatte: Text-Diffs vs. Fingerprints für KI-generierte SQL-Abfragen

Entsiegelte Akten: OpenAI und Microsoft wussten um Ersetzung von Verlagsinhalten

Interne Aussagen widersprechen öffentlicher Fair-Use-Darstellung und stärken die Klage der Verlage

· Veröffentlicht: 18.09.2026 ·1 Min Lesezeit
Entsiegelte Akten: OpenAI und Microsoft wussten um Ersetzung von VerlagsinhaltenMit KI erstellt
◆ Fakten auf einen Blick
  • In dem New-York-Times-Urheberrechtsverfahren wurden zuvor geschwärzte Anträge auf summarisches Urteil teilweise entsiegelt.
  • Microsoft-CEO Satya Nadella sagte in einer Zeugenaussage, dass Gespräche mit Chatbots Verlagsseiten „ersetzt“ hätten.
  • OpenAI-Führungskraft Nick Turley schrieb: „Our products are largely substitutive, period.“
  • Microsoft wusste bereits 2019, dass OpenAI eine illegale Online-Bibliothek raubkopierter Bücher nutzte, als Sam Altman und der damalige Vice President Dario Amodei eine frühe Version des Chatbots Bill Gates präsentierten.
  • Nadella sagte, das Herunterladen raubkopierter Inhalte sei „absolut“ illegal und paywall-geschützte Inhalte sollten für KI-Training lizenziert werden; hätte er gewusst, dass OpenAI paywall-geschützte Informationen gescrapt und trainiert hat, hätte er Microsofts Recht genutzt, OpenAI zur Neu-Trainierung der Modelle zu verpflichten.
  • Die Trump-Administration drängte das Gericht, zu entscheiden, dass das Training von KI auf urheberrechtlich geschützten Werken Fair Use sei.

Entsiegelte Akten belegen internes Wissen um Substitution

In dem New-York-Times-Urheberrechtsverfahren sind zuvor geschwärzte Anträge auf summarisches Urteil teilweise entsiegelt worden. Microsoft-CEO Satya Nadella sagte in einer Zeugenaussage, Gespräche mit Chatbots hätten Verlagsseiten ersetzt. OpenAI-Führungskraft Nick Turley schrieb intern: „Our products are largely substitutive, period.“ Diese Aussagen belegen, dass beide Unternehmen intern wussten, dass ihre KI-Angebote Verlagsinhalte ersetzen, nicht nur ergänzen. Für den Rechtsstreit ist das zentral: Fair Use scheitert typischerweise, wenn ein Produkt den Markt für das Original substituiert, da der vierte Fair-Use-Faktor die Auswirkungen auf den potenziellen Markt bewertet. Die dokumentierte Substitution macht es für die Beklagten schwer, Unkenntnis der Folgen zu behaupten, und stärkt die Forderung der Verlage nach Schadensersatz und Unterlassung.

Widerspruch zu öffentlichen Fair-Use-Beteuerungen

OpenAI erklärt öffentlich, der Fall drehe sich um Fair Use und KI unterstütze Journalismus. Die internen Aussagen widersprechen dem: Sie bestätigen die ersetzende Wirkung, statt journalistische Angebote zu ergänzen. Zudem wusste Microsoft bereits 2019 von der Nutzung einer illegalen Online-Bibliothek raubkopierter Bücher durch OpenAI, als Sam Altman und Dario Amodei eine frühe Chatbot-Version Bill Gates präsentierten. Nadella selbst nannte das Herunterladen raubkopierter Inhalte „absolut“ illegal. Dieser Widerspruch ist problematisch, weil er die Glaubwürdigkeit von OpenAI vor Gericht und gegenüber Regulierungsbehörden untergräbt: Wer öffentlich Fair Use und Partnerschaft beteuert, intern aber Substitution anerkennt, riskiert den Vorwurf strategischer Irreführung. Das kann als Indiz für Vorsatz bei Urheberrechtsverstößen gewertet werden und die regulatorische Bewertung von KI-Trainingsdaten verschärfen.

A
Andreas Rüdiger
Herausgeber & Redaktionsleitung · KI-Modelle, Technik & Business

Andreas Rüdiger ist Gründer der Agentur INREMA und verantwortet KI Spotlight redaktionell. Sein Schwerpunkt liegt auf KI-Modellen, Recheninfrastruktur, technischen Entwicklungen und der wirtschaftlichen Einordnung. Er sorgt dafür, dass komplexe KI-Themen verständlich und nachvollziehbar aufbereitet werden. Mehr zu ihm auf inrema.de und andiger.de.

Ähnliche Artikel