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DraftKings' KI-Modell priorisierte verlustreiche Spieler

Ein internes Scoring-System lenkte Gratiswetten gezielt an Kunden mit hohen erwarteten Verlusten. Ein Suchterkennungsmodell wurde laut Ex-Mitarbeitern gestoppt – New York erwägt nun Regeln.

· Veröffentlicht: 20.09.2026 ·2 Min Lesezeit
DraftKings' KI-Modell priorisierte verlustreiche SpielerMit KI erstellt
Inhalt
◆ Fakten auf einen Blick
  • DraftKings baute 2023 ein Machine-Learning-Modell, das Kunden nach erwarteten Verlusten nach Gratiswetten bewertete, basierend auf Spielfrequenz, Kontoständen und Verlust-zu-Einsatz-Verhältnis.
  • Das Modell wurde intern 'elasticity score' genannt und priorisierte Nutzer mit hohem Score für Gratiswetten und Boni.
  • Der ehemalige Datenanalyst Jayden Butts testete das System im September 2023 an rund 5.000 Casino-Nutzern.
  • DraftKings gab an, dass Datenwissenschaft und Analytik die promotionsgetriebenen Sportwetten-Margen 2025 um 13% verbesserten und KI half, hunderte Millionen Dollar an Promotionsausgaben zu personalisieren.
  • DraftKings erzielte im letzten Jahr etwa 8,7 Milliarden Dollar Bruttoumsatz und verteilte rund 3 Milliarden Dollar an Promotionen, laut Daten von Citizens Bank.
  • Sechs ehemalige Mitarbeiter sagten, die Verlust-Targeting-Methoden wurden weiter verfeinert; vier weitere sagten, ein paralleles Problemspieler-Erkennungsmodell wurde gestoppt oder verzögert.

DraftKings' 'Elasticity Score' priorisierte verlustreiche Spieler

DraftKings setzte 2023 ein Machine-Learning-Modell ein, das Kunden nach erwarteten Verlusten nach Gratiswetten bewertete. Das Modell analysierte Spielfrequenz, tägliche Kontostände und das Verhältnis von Verlusten zu Einsätzen, um jedem Casino-Spieler einen internen Score zuzuweisen. Intern wurde dieser Wert als „Elasticity Score" bezeichnet. Je höher der Score, desto mehr war ein für diesen Kunden eingesetzter Promotion-Dollar für DraftKings wert – entsprechend priorisierte das System Nutzer mit hohen Werten für Gratiswetten und Boni. Der ehemalige Datenanalyst Jayden Butts testete das System im September 2023 an rund 5.000 Casino-Nutzern, bevor die Versuche ausgeweitet wurden. Die New York Times berichtete am 19. September 2026 auf Basis interner Memos, Präsentationen und Interviews mit mehr als 40 ehemaligen Mitarbeitern über das Vorgehen. Promotions spielen eine zentrale Rolle im Geschäftsmodell: Im vergangenen Jahr erzielte DraftKings nach Daten der Citizens Bank etwa 8,7 Milliarden Dollar Bruttoumsatz und verteilte rund 3 Milliarden Dollar an Promotionen. Nach Angaben von DraftKings verbesserten Datenwissenschaft und Analytik die promotionsgetriebenen Sportwetten-Margen 2025 um 13 Prozent.

Widerspruch: Unternehmen verzichtete auf Suchtmodell, Ex-Mitarbeiter berichten von Stopp

Lori Kalani, Chief Responsible Gaming Officer bei DraftKings, bestätigte, dass das Unternehmen auf prädiktive Risikotechnologie zur Erkennung von Spielsucht verzichtete. Die Begründung: Es gebe keinen Beleg für deren Nutzen. Dem widersprechen Aussagen ehemaliger Mitarbeiter. Vier von ihnen berichteten der New York Times, ein paralleles Modell zur Erkennung von Problemspielern sei intern gestoppt oder verzögert worden. Sechs weitere ehemalige Mitarbeiter bestätigten, dass die Methoden zur gezielten Ansprache verlustreicher Spieler weiter verfeinert wurden. Damit steht die offizielle Unternehmensbegründung – fehlender Nutzen – gegen die Darstellung, wonach Suchtpräventions-Tools zugunsten der Umsatzoptimierung zurückgestellt wurden. Die gleichen Wettdaten, die für das Verlust-Targeting genutzt wurden, hätten auch für Schutzfunktionen eingesetzt werden können, so die Kritik ehemaliger Mitarbeiter. Der Widerspruch betrifft die Priorisierung: Während das Verlust-Targeting verfeinert wurde, blieb die Suchterkennung nach Darstellung der Ex-Mitarbeiter auf der Strecke.

New York erwägt Verbot KI-gestützter Promotionen

Die New York State Gaming Commission erwägt Regeln, die den Einsatz von KI zur Verfolgung von Wettgewohnheiten und zur Erstellung individualisierter Promotionen im mobilen Sportwettenbereich verbieten. Der Entwurf wurde Ende März 2026 veröffentlicht; Kommentare konnten bis Mitte Mai eingereicht werden. Ob die Regel in der vorliegenden Form angenommen wird, ist offen. Connecticut erwog eine ähnliche Beschränkung, setzte sie aber nicht um. Ähnliche Maßnahmen wurden in Illinois und auf Bundesebene vorgeschlagen. Die regulatorische Debatte findet vor dem Hintergrund steigender Hilfesuche statt: Der National Council on Problem Gambling meldet über 31.000 monatliche Kontakte zu seiner Helpline. Die vorgeschlagenen Regeln zielen darauf ab, die gesamte Pipeline zu unterbinden – sowohl die KI-gestützte Verfolgung von Wettgewohnheiten als auch die darauf basierende Erstellung individualisierter Promotionen.

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Andreas Rüdiger
Herausgeber & Redaktionsleitung · KI-Modelle, Technik & Business

Andreas Rüdiger ist Gründer der Agentur INREMA und verantwortet KI Spotlight redaktionell. Sein Schwerpunkt liegt auf KI-Modellen, Recheninfrastruktur, technischen Entwicklungen und der wirtschaftlichen Einordnung. Er sorgt dafür, dass komplexe KI-Themen verständlich und nachvollziehbar aufbereitet werden. Mehr zu ihm auf inrema.de und andiger.de.

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