Cloudflare plant Mikrozahlungen statt Werbung als Antwort auf KI-Bot-Flut
Fast 60 Prozent des Web-Traffics sind automatisiert. Cloudflare reagiert mit neuen Tools, einer Blockade von Google-KI-Crawlern und einer Vision für ein faires Web.
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◆ Fakten auf einen Blick
- Cloudflare meldet, dass automatisierte (Bot-)Anfragen inzwischen fast 60% des Web-Traffics ausmachen.
- Cloudflare CEO Matthew Prince erwartet, dass automatisierter Traffic in fünf Jahren 1000-mal so hoch sein könnte wie menschlicher Traffic.
- Cloudflare kündigt ein neues 'Disallow AI Training'-Setting an, das Websites erlaubt, für Suche indexiert zu bleiben, aber Training durch Crawler zu blockieren.
- Apple, Google und Microsoft haben dem Deal zugestimmt.
- Cloudflare wird ab Mitte September Googles AI-Trainings-Crawler für Free-Tier-Nutzer standardmäßig blockieren, es sei denn Google differenziert zwischen AI-Indexierung und normalem Such-Crawling.
- Cloudflare sieht sich als Gatekeeper für mehr als 20% des globalen Web-Traffics.
Bot-Traffic explodiert: Cloudflare sieht fast 60% automatisierte Anfragen
Nach Angaben von Cloudflare machen automatisierte Anfragen inzwischen fast 60 Prozent des Web-Traffics aus. Diese Zahl stammt aus Unternehmensangaben, die in Berichten von ecommercenews und Fortune zitiert werden. Ein älterer Cloudflare-Blogbeitrag spricht dagegen von „fast der Hälfte“ des globalen Netzwerkverkehrs – ein Widerspruch, der sich durch den zeitlichen Abstand und die rasante Zunahme von KI-Crawlern seit Ende 2025 erklären lässt. Laut Cloudflare-CEO Matthew Prince hatte er ursprünglich erwartet, dass automatisierter Traffic menschlichen Traffic erst Ende des Folgejahres überholen würde; tatsächlich geschah dies nach seinen Angaben bereits im Mai. Prince prognostiziert, dass automatisierter Traffic in fünf Jahren 1000-mal so hoch sein könnte wie menschlicher.
Cloudflares Antwort: 'Disallow AI Training' und Blockade von Google-KI-Crawlern
Als Reaktion führt Cloudflare nach eigenen Angaben ein neues „Disallow AI Training“-Setting ein. Dieses erlaubt es Websites, für die Suche indexiert zu bleiben, während das Training durch Crawler blockiert wird. Cloudflare zufolge haben Apple, Google und Microsoft dem Deal zugestimmt. Ab Mitte September will Cloudflare nach eigener Ankündigung zudem Googles KI-Trainings-Crawler für Free-Tier-Nutzer standardmäßig blockieren – es sei denn, Google differenziert zwischen KI-Indexierung und normalem Such-Crawling. Hintergrund ist laut Cloudflare, dass KI-Agenten keine Werbung anklicken und oft nicht einmal die Website besuchen, nachdem sie Inhalte konsumiert haben. Publisher stehen damit vor der Aufgabe, ihre Inhalte so zu strukturieren, dass KI-Assistenten sie als autoritative Quellen erkennen und zitieren – ein Wandel von klassischer Suchmaschinenoptimierung hin zu Answer Engine Optimisation.
Vom Werbemodell zu Mikrozahlungen: Cloudflares Vision für ein faires Web
Cloudflare zufolge will das Unternehmen zu Mikrozahlungen und direkten Lizenzmodellen zurückkehren, um Content-Ersteller zu entschädigen und KI-Entwickler für Bandbreite und Serverkosten zahlen zu lassen. Das traditionelle Werbemodell greift nach Darstellung des Unternehmens bei KI-Agenten nicht, da diese keine klassischen Werbeeindrücke erzeugen. Cloudflare sieht sich nach eigenen Angaben als Gatekeeper für mehr als 20 Prozent des globalen Web-Traffics und zählt nach eigenen Angaben 80 Prozent der führenden KI-Unternehmen zu seinen Kunden. Diese strategische Position will das Unternehmen nach eigener Aussage nutzen, um das neue Modell durchzusetzen: Es könne zwischen legitimen KI-Crawlern und bösartigen Scrapern unterscheiden und Publishern granulare Kontrolle über den Datenzugriff geben. Ohne einen strukturellen Umbau droht nach Princes Einschätzung eine schwere Infrastruktur- und Nachhaltigkeitskrise.
Wer gewinnt, wer verliert? Die Auswirkungen auf Publisher, KI-Firmen und Nutzer
Gewinner: Content-Ersteller und Cloudflare
Content-Ersteller und Publisher könnten durch Mikrozahlungen und Lizenzvereinbarungen neue Einnahmen erzielen, weil ihre Inhalte als Treibstoff für KI-Systeme direkt vergütet würden, statt nur indirekt über Werbung. Diese Einschätzung basiert auf dem von Cloudflare vorgeschlagenen Modell. Cloudflare profitiert doppelt: als Infrastrukturanbieter, der Bandbreite und Serverkapazitäten bereitstellt, und als Gatekeeper, der die Zahlungsströme und Zugriffsregeln kontrolliert. KI-Unternehmen erhalten durch klare Regeln und die von Cloudflare gemeldete Zustimmung von Apple, Google und Microsoft Planungssicherheit – müssen aber für die Nutzung von Daten und Infrastruktur zahlen.
Verlierer: Werbefinanzierte Websites und blockierte Crawler
Traditionelle werbefinanzierte Websites verlieren, weil KI-Agenten laut Cloudflare keine Werbung anklicken und Inhalte konsumieren, ohne die Seite zu besuchen – das untergräbt das bisherige Erlösmodell aus Page Views und Anzeigen. KI-Crawler, die blockiert oder zur Zahlung gezwungen werden, verlieren den freien Zugang zu Trainingsdaten. Cloudflare hat angekündigt, ab Mitte September Googles KI-Trainings-Crawler für Free-Tier-Nutzer standardmäßig zu blockieren, sofern Google nicht zwischen KI-Indexierung und normalem Such-Crawling differenziert.
Wirtschaftlicher Kontext: Rechenzentren-Boom und Cloudflares Wachstum
Der Vorstoß fällt in eine Phase massiver Investitionen in KI-Infrastruktur. Laut IEA lagen die Investitionen großer Technologieunternehmen in Rechenzentren 2025 bei über 400 Milliarden US-Dollar und sollen 2026 um weitere 75 Prozent steigen. Nach Angaben von Cloudflare erzielte das Unternehmen im ersten Quartal 2026 einen Umsatz von 639,8 Millionen US-Dollar, ein Plus von 34 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Cloudflare-CEO Matthew Prince bezeichnete KI laut Pressemitteilung als den größten Rückenwind in der Unternehmensgeschichte. Diese wirtschaftliche Dynamik unterstreicht die Bedeutung von Cloudflares Vorstoß: Wer die Infrastruktur und den Datenzugang kontrolliert, kann die Spielregeln des KI-Zeitalters mitbestimmen.



