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Speicherchip-Knappheit verschärft sich bis 2028 und darüber hinaus

Micron und SK Hynix korrigieren die Zeitachse: Über 75 Prozent der 2027er-Produktion sind vergeben, Nvidia kündigt Preiserhöhungen an, und die Lagerbestände fallen unter zehn Tage.

· Veröffentlicht: 04.10.2026 ·3 Min Lesezeit
Speicherchip-Knappheit verschärft sich bis 2028 und darüber hinausMit KI erstellt
Inhalt
◆ Fakten auf einen Blick
  • Micron CEO Sanjay Mehrotra erklärte, die Angebots-Nachfrage-Bedingungen für Speicher und Storage würden 2027 und 2028 deutlich enger sein als 2026; über 75% der Micron-Produktion für 2027 seien bereits vergeben, und Kunden wollten Zusicherungen bis über 2030 hinaus.
  • Micron meldete für das vierte Quartal des Geschäftsjahres 2026 Umsatz und Gewinn über den Erwartungen und erwartet eine noch engere Kapazitätsversorgung in 2027 und 2028 als 2026.
  • Nvidia CFO Colette Kress sagte, die Kundenprognosen deuteten auf eine Verdopplung im nächsten Jahr hin, die Lieferkette könne nicht mithalten; Nvidias Lieferverpflichtungen stiegen von 119 Mrd. USD auf 279 Mrd. USD in einem Quartal.
  • Nvidia hat seine größten Kunden offiziell darüber informiert, dass die Preise für KI-Server mit Auslieferung Anfang 2027 um mehr als 15% steigen werden, bedingt durch den Mangel an High-Bandwidth-Memory und Server-DRAM.
  • SK Hynix CEO Kwak Noh-jung erwartet für 2027 die schlimmste Angebotsknappheit der Speicherindustrie; die Nachfrage werde die Produktionskapazität des Unternehmens über 2030 hinaus übersteigen.
  • Tesla CEO Elon Musk kündigte deutliche Kürzungen bei den Speicherspezifikationen der KI-Chips AI5 und AI6 an, um genügend Speicher für die Massenproduktion des humanoiden Roboters Optimus zu sichern.

Knappheit bis 2027 und darüber hinaus: Micron und SK Hynix korrigieren die Zeitachse

Die Annahme, die Speicherchip-Knappheit werde spätestens 2026 enden, ist überholt. Micron-CEO Sanjay Mehrotra erklärte laut einem Bericht von The Register, die Angebots-Nachfrage-Bedingungen für Speicher und Storage würden 2027 und 2028 deutlich enger sein als 2026. Über 75 Prozent der Micron-Produktion für 2027 seien bereits vergeben, und Kunden wollten Zusicherungen bis über 2030 hinaus. Micron erwartet zwar ein Wachstum der Industrie-Lieferungen für DRAM und NAND um etwa 20 Prozent in den nächsten zwei Jahren, sieht aber keine Aussicht auf ein Gleichgewicht von Angebot und Nachfrage. Auch SK Hynix verschärft den Ausblick: CEO Kwak Noh-jung spricht für 2027 von der schlimmsten Angebotsknappheit der Speicherindustrie und erwartet, dass die Nachfrage die Produktionskapazität des Unternehmens über 2030 hinaus übersteigen wird. Micron meldete für das vierte Quartal des Geschäftsjahres 2026 Umsatz und Gewinn über den Erwartungen und rechnet mit einer noch engeren Kapazitätsversorgung in 2027 und 2028 als 2026. Die ursprüngliche Meldung einer Knappheit bis 2026 ist damit korrigiert: Die Engpässe dauern länger und werden intensiver.

Konkrete Zahlen: Preissprünge, Lagerbestände und Nvidias Preiserhöhung

Die Preise steigen drastisch. TrendForce meldet für das erste Quartal 2026 bei konventionellen DRAM-Vertragspreisen einen Anstieg von 55 bis 60 Prozent gegenüber dem Vorquartal, bei NAND Flash 33 bis 38 Prozent. Eine andere TrendForce-Meldung nennt für denselben Zeitraum 90 bis 95 Prozent bei DRAM und 55 bis 60 Prozent bei NAND. Unabhängig von der genauen Höhe liegen die Lagerbestände bei Samsung und SK Hynix laut Berichten aus Südkorea unter zehn Tagen – ein ungewöhnlich dünner Puffer. Nvidia hat seine größten Kunden offiziell informiert, dass die Preise für KI-Server mit Auslieferung Anfang 2027 um mehr als 15 Prozent steigen werden, bedingt durch den Mangel an High-Bandwidth-Memory und Server-DRAM. Die Lieferverpflichtungen von Nvidia stiegen innerhalb eines Quartals von 119 auf 279 Milliarden US-Dollar, primär getrieben durch die Speicherbeschaffung für die Vera-Rubin-Plattform. Diese Zahlen belegen den Druck entlang der gesamten Lieferkette.

Widersprüchliche Preisdaten: Welche Zahlen stimmen für Q1 2026?

Für das erste Quartal 2026 kursieren zwei unterschiedliche TrendForce-Angaben zu den Preissteigerungen. Die eine Quelle nennt für konventionelle DRAM-Vertragspreise ein Plus von 55 bis 60 Prozent gegenüber dem Vorquartal und für NAND Flash 33 bis 38 Prozent. Die andere, über StartupFortune verbreitete TrendForce-Meldung spricht von 90 bis 95 Prozent bei DRAM und 55 bis 60 Prozent bei NAND. Beide Angaben stammen von demselben Marktforschungsunternehmen, sind aber nicht miteinander vereinbar. Die Diskrepanz lässt sich aus dem vorliegenden Material nicht auflösen. Mögliche Erklärungen sind unterschiedliche Erhebungszeitpunkte – etwa eine frühere Prognose gegenüber tatsächlichen Werten – oder die Betrachtung verschiedener Produktkategorien wie Server-DRAM gegenüber PC-DRAM oder unterschiedlicher NAND-Segmente. Leser sollten diese Zahlen daher mit Vorsicht interpretieren und auf weitere Präzisierungen von TrendForce achten.

Gewinner und Verlierer: Wer profitiert, wer muss handeln

Zu den Gewinnern zählen die Speicherhersteller: Micron meldete für das vierte Quartal des Geschäftsjahres 2026 Umsatz und Gewinn über den Erwartungen, Samsung und SK Hynix profitieren von leeren Lagern und hohen Preisen. Nvidia gibt die gestiegenen Kosten an seine Kunden weiter und hält eine Bruttomarge von rund 75 Prozent. Auf der Verliererseite stehen Hyperscaler, OEMs und Endverbraucher, die höhere Preise zahlen müssen. Tesla-CEO Elon Musk kündigte deutliche Kürzungen bei den Speicherspezifikationen der KI-Chips AI5 und AI6 an, um genügend Speicher für die Massenproduktion des humanoiden Roboters Optimus zu sichern. Climax Technology meldete, dass erhöhte Speicherpreise die Bruttomarge im zweiten Halbjahr 2026 belasten. Zudem haben sich Micron-Kunden wie Nvidia laut Reuters verpflichtet, 22 Milliarden US-Dollar für Speicherlieferungen zu binden – ein Beleg für den enormen Druck, sich Kapazitäten frühzeitig zu sichern.

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Andreas Rüdiger
Herausgeber & Redaktionsleitung · KI-Modelle, Technik & Business

Andreas Rüdiger ist Gründer der Agentur INREMA und verantwortet KI Spotlight redaktionell. Sein Schwerpunkt liegt auf KI-Modellen, Recheninfrastruktur, technischen Entwicklungen und der wirtschaftlichen Einordnung. Er sorgt dafür, dass komplexe KI-Themen verständlich und nachvollziehbar aufbereitet werden. Mehr zu ihm auf inrema.de und andiger.de.

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