Oracle schickt Force-Majeure-Erklärung zu Stargate-Projekt – und dementiert zugleich jede Verzögerung
Oracle hat wegen Stromversorgungs- und Genehmigungsproblemen beim Stargate-Teilprojekt "Project Jupiter" in New Mexico eine Force-Majeure-Erklärung an den Entwickler (eine Einheit von Blue Owl Capital) geschickt; Oracle bestreitet jedoch Verzögerungen und erklärt, der Zeitplan sei unverändert.
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◆ Fakten auf einen Blick
- Oracle hat eine Force-Majeure-Erklärung an den Entwickler von Project Jupiter gesendet.
- Project Jupiter ist ein Stargate-Rechenzentrum in New Mexico, entwickelt mit Blue Owl Capital, geplant für 2,45 Gigawatt.
- Die Force-Majeure-Klausel soll Oracle erlauben, Zahlungen zu verschieben, falls das Rechenzentrum das 2028-Ziel verfehlt; Oracle will nicht als Hauptmieter aussteigen.
- Oracle erklärte öffentlich: "Project Jupiter remains on our planned schedule" und "fully committed to New Mexico".
- Blue Owl Capital erklärte, die Mitteilung ändere die finanziellen Verpflichtungen für das mehrjährige Projekt nicht.
- Stargate wurde im Januar 2025 angekündigt, Ziel bis zu 500 Milliarden US-Dollar über vier Jahre, Partner sind OpenAI, SoftBank, Oracle und MGX.
Force-Majeure-Erklärung trotz Dementi: Oracles widersprüchliche Signale zu Project Jupiter
Oracle hat nach übereinstimmenden Berichten eine Force-Majeure-Erklärung an den Entwickler des Rechenzentrumsprojekts Project Jupiter in New Mexico gesendet. Als Grund werden Stromversorgungs- und Genehmigungsprobleme genannt, die den geplanten Start im Jahr 2028 gefährden könnten. Die Erklärung soll Oracle nach Angaben mit der Angelegenheit vertrauter Personen erlauben, Zahlungen zu verschieben, falls das Rechenzentrum sein Ziel verfehlt. Ein Ausstieg als Hauptmieter sei nicht beabsichtigt. Oracle selbst hat die Force-Majeure-Erklärung weder bestätigt noch dementiert. Gegenüber CNBC erklärte das Unternehmen lediglich: „Project Jupiter remains on our planned schedule“ und betonte, man sei „fully committed to New Mexico“. Der Entwickler, eine Einheit von Blue Owl Capital, teilte mit, die Mitteilung ändere die finanziellen Verpflichtungen für das mehrjährige Projekt nicht. Damit stehen sich zwei Darstellungen gegenüber: Während die Berichte auf eine konkrete vertragliche Absicherung gegen Verzögerungen hindeuten, bestreitet Oracle öffentlich jede Abweichung vom Zeitplan. Die Diskrepanz ergibt sich auch daraus, dass eine Force-Majeure-Klausel typischerweise genau für den Fall greift, dass externe Ereignisse die Erfüllung erschweren – ein Szenario, das Oracle offiziell nicht einräumt.
Project Jupiter: 2,45-Gigawatt-Rechenzentrum als Teil des 500-Milliarden-Dollar-Stargate-Plans
Project Jupiter ist ein Rechenzentrumscampus in New Mexico, der gemeinsam mit Blue Owl Capital entwickelt wird und für eine Kapazität von 2,45 Gigawatt ausgelegt ist. Das Projekt gehört zum Stargate-Programm, das im Januar 2025 angekündigt wurde und über vier Jahre Investitionen von bis zu 500 Milliarden US-Dollar in KI-Infrastruktur in den USA vorsieht. Partner sind OpenAI, SoftBank, Oracle und MGX. Stargate umfasst sieben Standorte in den USA mit einer geplanten Gesamtkapazität von über 9 Gigawatt, darunter Texas, New Mexico, Wisconsin, Michigan und Ohio. Der am weitesten fortgeschrittene Standort in Abilene, Texas, ist bereits in Betrieb. Die Finanzierung von Project Jupiter erfolgt unter anderem über syndizierte Kredite, deren Volumen ursprünglich bei rund 18 Milliarden US-Dollar lag.
Strom, Genehmigungen, Gerichte: Die Hindernisse für den Zeitplan
Project Jupiter hat seit Beginn mit erheblichen infrastrukturellen Hürden zu kämpfen. Ursprünglich waren Gasturbinen zur Energieversorgung vorgesehen, doch nach Widerstand von Umweltgruppen wurde auf Festoxid-Brennstoffzellen von Bloom Energy umgestellt. Auch diese Lösung benötigt eine zuverlässige Erdgasversorgung, wofür neue Pipelines gebaut werden müssen. Zusätzlich sind Luftqualitätsgenehmigungen auf Bundesstaatsebene erforderlich. Die Genehmigungsverfahren wurden wiederholt juristisch angefochten; Gerichte in New Mexico blockierten Genehmigungen in diesem Jahr zeitweise. Während der Bau des Rechenzentrums selbst voranschreitet, ist die eigenständige Energieinfrastruktur bislang nicht genehmigt. Diese Verzögerungen bei Stromversorgung und Regulierung gelten als zentrale Ursache für die Force-Majeure-Erklärung. Hinzu kommen Berichte über einen Mangel an Arbeitskräften und Material, der den Zeitplan zusätzlich unter Druck setzt.
Offiziell im Plan, faktisch unter Druck: Der Widerspruch zwischen Oracle und Marktsignalen
Oracle bestreitet jegliche Verzögerung. Ein Sprecher erklärte, es gebe keine Verzögerungen bei Standorten, die zur Erfüllung vertraglicher Verpflichtungen nötig seien, und alle Meilensteine lägen im Plan. Diese Aussage bezieht sich jedoch auf vertragliche Verpflichtungen gegenüber Kunden wie OpenAI, nicht zwingend auf die tatsächliche Inbetriebnahme von Project Jupiter. Die Force-Majeure-Erklärung zielt genau auf den Fall ab, dass das Rechenzentrum sein Ziel für 2028 verfehlt – dann könnte Oracle Zahlungen aufschieben. Berichte sprechen von einer möglichen Verschiebung der Inbetriebnahme auf 2028, während ursprünglich ein früherer Termin vorgesehen war. Der Widerspruch liegt in der unterschiedlichen Interpretation von „Verzögerung“: Oracle argumentiert mit vertraglichen Meilensteinen, die eingehalten würden, während die Berichte auf reale Engpässe bei Strom und Genehmigungen verweisen, die den operativen Start gefährden. Beide Darstellungen können formal korrekt sein, beschreiben aber unterschiedliche Ebenen des Projekts.
Aktien und Anleihen reagieren: Abschläge bei Oracle, Blue Owl, Bloom und Projektschulden
Die Berichte über die Force-Majeure-Erklärung lösten unmittelbare Marktreaktionen aus. Die Aktien von Oracle fielen um mehr als drei Prozent, die von Blue Owl Capital ebenfalls. Auch Bloom Energy, das die Brennstoffzellen für Project Jupiter liefern soll, verzeichnete einen Kursrückgang von rund drei Prozent. Besonders deutlich zeigt sich die Skepsis bei den syndizierten Projektschulden: Die ursprünglich mit etwa 18 Milliarden US-Dollar bewerteten Kredite werden nur noch mit einem Abschlag von 0,89 bis 0,91 gehandelt. Dieser Discount signalisiert, dass Investoren das Risiko einer Verzögerung oder eines Zahlungsaufschubs als real einschätzen – unabhängig von Oracles offizieller Darstellung.
OpenAI, Investoren und Gemeinden: Wer von den Unsicherheiten betroffen ist
Die Unsicherheiten rund um Project Jupiter betreffen mehrere Akteure. OpenAI ist als Hauptkunde mit einer Partnerschaft über mehr als 300 Milliarden US-Dollar über fünf Jahre an Oracle gebunden und benötigt die Rechenkapazität für KI-Modelle. Blue Owl Capital ist als Entwickler direkt von Verzögerungen und möglichen Zahlungsaufschüben betroffen. Bloom Energy hängt als Lieferant der Brennstoffzellen am Fortgang des Projekts. Investoren und Kreditgeber tragen das finanzielle Risiko, wie der Abschlag auf die Projektschulden zeigt. Lokale Gemeinden und Umweltgruppen in New Mexico haben Widerstand gegen das Projekt geäußert und Klagen eingereicht, was die Genehmigungsverfahren zusätzlich verlangsamt. Die Auseinandersetzung um Project Jupiter ist damit nicht nur eine technische oder finanzielle Frage, sondern auch eine politische und regulatorische.



