Nvidia beziffert kumulierten Vertragswert mit Anthropic auf über 180 Milliarden Dollar
Die Summe aus Cloud-Compute-Vereinbarungen, Infrastruktur-Deals und Eigenkapitalzusagen zeigt die finanzielle Verflechtung zwischen dem Chipkonzern und dem KI-Labor.
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◆ Fakten auf einen Blick
- Nvidia hat am 28. September 2026 im Rahmen eines Non-Deal Roadshows bekannt gegeben, dass der kumulierte Vertragswert mit Anthropic über 180 Milliarden US-Dollar liegt.
- Anthropic hat 2,5 Gigawatt Nvidia-spezifische KI-Kapazität mit Lieferung bis 2028 kontrahiert.
- Die 180-Mrd.-USD-Zahl stellt keinen einzelnen Vertrag dar, sondern die kumulierte Summe aus Cloud-Compute-Vereinbarungen, Eigenkapitalzusagen und Infrastruktur-Deals über mehrere Anbieter und Betreiber hinweg.
- Laut Bloomberg-Bericht (unter Berufung auf eine informierte Person) hat Anthropic einen 35-Milliarden-US-Dollar-Cloud-Computing-Vertrag mit Lambda geschlossen, einem von Nvidia unterstützten Cloud-Anbieter. Das Wall Street Journal hatte zuvor über den Deal berichtet. Weder Anthropic noch Nvidia haben den Deal offiziell bestätigt.
- Der Lambda-Deal betrifft ein Rechenzentrum in Nueces County, Texas, das von Hut 8 entwickelt wird. Nvidia hält laut Berichten den Mietvertrag für das Rechenzentrum, Lambda installiert die von Nvidia gekauften Chips und verkauft Cloud-Dienste an Anthropic.
- Anthropic hat einen 45-Milliarden-US-Dollar-Vertrag mit Nscale über sechs Jahre geschlossen, der etwa 460 Megawatt Nvidia-Vera-Rubin-Kapazität in West Virginia umfasst.
Nvidia nennt erstmals Gesamtzahl: Über 180 Milliarden Dollar mit Anthropic
Nvidia hat am 28. September im Rahmen eines Non-Deal Roadshows erstmals öffentlich beziffert, dass der kumulierte Vertragswert mit Anthropic über 180 Milliarden US-Dollar liegt. Diese Zahl stellt keinen einzelnen Vertrag dar, sondern die Summe aus Cloud-Compute-Vereinbarungen, Infrastruktur-Deals und Eigenkapitalzusagen über mehrere Anbieter und Betreiber hinweg. Konkret fließen in die Berechnung die beiden größten Cloud-Compute-Verträge ein: der 35-Milliarden-US-Dollar-Deal mit Lambda über etwa 350 Megawatt Kapazität in Texas sowie der 45-Milliarden-US-Dollar-Vertrag mit Nscale über sechs Jahre und rund 460 Megawatt Vera-Rubin-Kapazität in West Virginia. Hinzu kommt die Azure-Kaufverpflichtung von Anthropic in Höhe von 30 Milliarden US-Dollar sowie die Zusage, zusätzliche Kapazität von bis zu einem Gigawatt mit Nvidia-Grace-Blackwell- und Vera-Rubin-Systemen zu kontrahieren. Auf der Eigenkapitalseite sind Nvidias Zusage von bis zu 10 Milliarden US-Dollar und Microsofts Zusage von 5 Milliarden US-Dollar Teil der breiteren Vereinbarung. Die bekannten Einzelpositionen – 35, 45, 30, 10 und 5 Milliarden US-Dollar – decken nur einen Teil der Gesamtsumme ab. Laut Berichten heben die Gesamtverpflichtungen von Anthropic über mehrere Anbieter hinweg auf etwa 175 Milliarden US-Dollar, bevor zusätzliche Arrangements einfließen; die von Nvidia genannte Summe von über 180 Milliarden US-Dollar schließt diese weiteren Verpflichtungen ein. Zudem hat Anthropic 2,5 Gigawatt Nvidia-spezifische KI-Kapazität mit Lieferung bis 2028 kontrahiert. Diese 2,5 Gigawatt sind die entscheidende Kennzahl für Nvidias eigene Umsatzentwicklung, denn jede kontrahierte Gigawatt-Kapazität wird mit jeder neuen Plattform-Generation wertvoller. Damit führt Nvidia erstmals die zuvor nur einzeln bekannten Verpflichtungen des KI-Labors in einer einzigen Vertragswert-Zahl zusammen und unterstreicht seine Rolle als zentraler Knotenpunkt der Anthropic-Infrastruktur.
Die bekannten Einzeldeals: Lambda, Nscale und die 35- und 45-Milliarden-Verträge
Die zwei größten Cloud-Compute-Vereinbarungen sind der 35-Milliarden-US-Dollar-Vertrag mit Lambda und der 45-Milliarden-US-Dollar-Vertrag mit Nscale. Laut Bloomberg-Bericht, der sich auf eine informierte Person beruft, hat Anthropic den 35-Milliarden-Deal mit Lambda geschlossen, einem von Nvidia unterstützten Cloud-Anbieter. Das Wall Street Journal hatte zuvor über die Vereinbarung berichtet. Weder Anthropic noch Nvidia haben den Deal offiziell bestätigt. Der Lambda-Vertrag betrifft ein Rechenzentrum in Nueces County, Texas, das von Hut 8 entwickelt wird. Nvidia hält laut Berichten den Mietvertrag für das Rechenzentrum, Lambda installiert die von Nvidia gekauften Chips und verkauft Cloud-Dienste an Anthropic. Diese Konstruktion hat strategische Bedeutung: Nvidia agiert gleichzeitig als Chip-Lieferant, als Investor in den Cloud-Anbieter Lambda und faktisch als Vermieter der physischen Infrastruktur. Dadurch sichert sich Nvidia nicht nur den Absatz seiner GPUs, sondern partizipiert über Mieteinnahmen und die Wertsteigerung seiner Lambda-Beteiligung auch an der Auslastung des Rechenzentrums. Für Anthropic bedeutet der Deal schnellen Zugang zu Rechenkapazität, ohne selbst ein Rechenzentrum bauen oder betreiben zu müssen. Die im Lambda-Deal genannten etwa 350 Megawatt sind relevant, weil sie den initialen Anteil der von Anthropic über Lambda kontrahierten Kapazität beschreiben. Damit trägt dieser Einzeldeal erheblich zur aggregierten 180-Milliarden-Summe bei. Der zweite große Deal ist ein 45-Milliarden-US-Dollar-Vertrag mit Nscale über sechs Jahre, der etwa 460 Megawatt Nvidia-Vera-Rubin-Kapazität in West Virginia umfasst. Auffällig ist eine Diskrepanz bei der Megawatt-Angabe zum Texas-Campus: Während der Lambda-Deal mit etwa 350 Megawatt angegeben wird, wird das Rechenzentrum als 700-Megawatt-Campus beschrieben. Diese Differenz wird in einem späteren Kapitel aufgegriffen.
Azure, Eigenkapital und die Microsoft-Verbindung
Die strategische Partnerschaft zwischen Microsoft, Nvidia und Anthropic erweitert die Verpflichtungen um Azure-Kapazität und Eigenkapital. Anthropic hat sich verpflichtet, 30 Milliarden US-Dollar Azure-Rechenkapazität zu kaufen und zusätzliche Kapazität von bis zu einem Gigawatt mit Nvidia-Grace-Blackwell- und Vera-Rubin-Systemen zu kontrahieren. Diese Zusage stammt aus der gemeinsamen Ankündigung der drei Unternehmen. Warum fließt diese Azure-Verpflichtung in die kumulierte 180-Milliarden-Summe ein? Weil es sich um eine Cloud-Compute-Vereinbarung handelt, bei der Nvidia die zugrunde liegende Hardware liefert. Auch wenn Microsoft der Cloud-Betreiber ist, sind die zusätzlich kontrahierten Systeme ausdrücklich Nvidia Grace Blackwell und Vera Rubin. Damit zählt Nvidia diese Kapazität als Teil seines kontrahierten Werts mit Anthropic. Der finanzielle Effekt der zusätzlichen Gigawatt-Kapazität ist erheblich: Bei einem Umsatz von 25 Milliarden US-Dollar pro Gigawatt für Grace Blackwell entspricht ein Gigawatt einem jährlichen Umsatzpotenzial von 25 Milliarden US-Dollar; bei Vera Rubin sind es 40 Milliarden US-Dollar pro Gigawatt. Diese einzelne Zusatzkapazität kann also zwischen 25 und 40 Milliarden US-Dollar zu Nvidias Umsatzpotenzial beitragen – ein wesentlicher Baustein der 180-Milliarden-Gesamtsumme. Auf der Eigenkapitalseite hat sich Nvidia im November 2025 zu einer Beteiligung von bis zu 10 Milliarden US-Dollar an Anthropic verpflichtet, Teil einer breiteren Vereinbarung, die auch eine 5-Milliarden-US-Dollar-Zusage von Microsoft umfasste. Diese Eigenkapitalzusagen sind ausdrücklich Teil der aggregierten Vertragswert-Nennung, da Nvidia die Summe aus Cloud-Compute-Vereinbarungen, Infrastruktur-Deals und Eigenkapitalzusagen bildet. Damit ist die Microsoft-Verbindung kein separater Nebenstrang, sondern ein integraler Bestandteil des kumulierten Vertragswerts.
Nvidias Rechnung: 60 Millionen Dollar pro Megawatt und steigende Umsätze pro Gigawatt
Nvidia gibt an, dass eine KI-Fabrik pro Megawatt etwa 60 Millionen US-Dollar kostet. Hochgerechnet auf ein Gigawatt entspricht das einem Kapitalaufwand von 60 Milliarden US-Dollar. Dem gegenüber stellt Nvidia den Umsatz pro Gigawatt je nach Referenzdesign: etwa 18 Milliarden US-Dollar in der Hopper-Generation, 25 Milliarden US-Dollar bei Grace Blackwell und 40 Milliarden US-Dollar bei Vera Rubin. Diese Umsatzwerte beschreiben die jährliche Ertragskraft einer KI-Fabrik, wenn sie alle produzierbaren Token verkauft. Diese sich verbessernde Kosten-Umsatz-Relation pro Watt macht jede kontrahierte Gigawatt-Kapazität für Nvidia attraktiver. Nvidia bezeichnet seine KI-Fabriken zudem als productive (höchster Durchsatz pro Megawatt, niedrigste Kosten pro Token), durable (GPUs und Systeme verdienen Jahre nach Auslieferung weiter) und fungible (laufen für jede Art von KI-Workload). Diese Eigenschaften erhöhen die Auslastung und verlängern die Nutzungsdauer, was die Gesamtbewertung der Vertragswerte weiter stützt. Für die aggregierte 180-Milliarden-Summe bedeutet das: Die von Anthropic kontrahierten 2,5 Gigawatt Nvidia-spezifische Kapazität sind kein statischer Wert, sondern ein mit jeder Plattform-Generation wachsender Erlösstrom. Selbst wenn die 180 Milliarden US-Dollar über mehrere Jahre verteilt sind, signalisiert die 2,5-Gigawatt-Zusage eine wiederkehrende, im Zeitverlauf steigende Einnahmequelle für Nvidia – und rechtfertigt damit die prominente Nennung der aggregierten Vertragswert-Zahl.
Offene Frage: 350 oder 700 Megawatt im Texas-Campus?
Zwischen den Quellen besteht ein Widerspruch zur Größe des Lambda-Deals in Texas. Eine Angabe nennt etwa 350 Megawatt für den Lambda-Vertrag, während das Rechenzentrum in Nueces County als 700-Megawatt-Campus beschrieben wird. Eine mögliche Erklärung ist, dass die 350 Megawatt den initialen Anteil beziehungsweise die von Anthropic über Lambda kontrahierte Kapazität beschreiben, während 700 Megawatt die Gesamtkapazität des Campus darstellen. Die Quellen spezifizieren jedoch nicht, ob es sich um Gesamt- oder Teilkapazität handelt. Festzuhalten bleibt: Weder Anthropic noch Nvidia haben den Lambda-Deal offiziell bestätigt, sodass die Diskrepanz bislang ungeklärt ist. Für die aggregierte 180-Milliarden-Summe spielt diese Unschärfe eine untergeordnete Rolle, da Nvidia die Gesamtzahl unabhängig von der exakten Megawatt-Aufteilung kommuniziert hat.



