Google Cloud wächst um 82 Prozent, bleibt aber der Kleinste der drei
Alphabet nennt für das zweite Quartal einen Auftragsbestand von 514 Milliarden Dollar. Den Cloud-Umsatz von 24,8 Milliarden Dollar melden Fachmedien, und die Ertragszahlen dazu stammen nur aus einer Sekundärquelle. Die Kapazität wird zur nächsten Wachstumsgrenze.
Mit KI erstelltInhalt
◆ Fakten auf einen Blick
- Der Umsatz von Google Cloud wuchs im Q2 2026 laut Sundar Pichai um 82 %.
- Der Cloud-Backlog stieg laut Pichai auf 514 Mrd. USD.
- Im Q1 2026 wuchs der Cloud-Umsatz um 63 % auf über 20 Mrd. USD.
- Nach Alphabet-Angaben nutzen fast 90 % der Fortune 100 Gemini Enterprise.
- Alphabet plant eine Eigenkapitalaufnahme von 80 Mrd. USD, darunter 10 Mrd. USD von Berkshire Hathaway.
Google Cloud wächst um 82 % auf 24,8 Milliarden Dollar
Google Cloud ist im zweiten Quartal 2026 um 82 Prozent gewachsen. Das sagte Alphabet-Chef Sundar Pichai in der Telefonkonferenz zu den Quartalszahlen. Als Treiber nannte er die Nachfrage nach KI-Infrastruktur und KI-Lösungen. Der Auftragsbestand der Cloud-Sparte, der sogenannte Backlog, stieg laut Pichai auf 514 Milliarden US-Dollar.
Den Umsatz beziffert die Fachpresse auf 24,8 Milliarden Dollar, nach 13,6 Milliarden im zweiten Quartal des Vorjahres. Der Alphabet-Gesamtumsatz lag bei 120 Milliarden Dollar und wuchs um 24 Prozent. Die Quelle dieser Zahl muss man im Blick behalten: Die 24,8 Milliarden Dollar stammen aus Berichten von CRN und Webpronews. Ein Primärdokument, etwa die Mitteilung von Alphabet an Anleger, haben wir nicht gesichtet. Die Wachstumsrate von 82 Prozent und der Backlog stammen dagegen von Pichai selbst, aus dem Call, dessen Wortlaut vorliegt.
Rechnerisch passt das zusammen. Von 13,6 auf 24,8 Milliarden Dollar sind gut 80 Prozent. Der Backlog beschreibt vertraglich zugesagte, noch nicht umgesetzte Umsätze. Er sagt damit etwas über die künftige Auslastung, nicht über das, was bereits verbucht ist. Die Ertragszahlen der Sparte behandeln wir weiter unten gesondert, weil sie nicht gleich gut belegt sind.
Vom Plus von 63 % zum Plus von 82 %: Was die Beschleunigung antreibt
Das Wachstum hat sich gegenüber dem Vorquartal weiter beschleunigt. Im ersten Quartal 2026 war der Cloud-Umsatz laut Pichai um 63 Prozent gestiegen und hatte erstmals die Marke von 20 Milliarden Dollar überschritten. Der Backlog lag damals bei über 460 Milliarden Dollar. Nach Pichais Worten hatte er sich gegenüber dem Vorquartal nahezu verdoppelt. Im zweiten Quartal folgen nun 82 Prozent, 24,8 Milliarden Dollar und 514 Milliarden Dollar Auftragsbestand.
Alphabet nennt als Treiber KI-Infrastruktur und KI-Lösungen. Dazu kommt Gemini Enterprise, die KI-Plattform für Unternehmen. Nach Angaben der Alphabet-Führung nutzen fast 90 Prozent der Fortune-100-Konzerne das Produkt. Im ersten Quartal wuchs die Zahl der zahlenden monatlich aktiven Nutzer laut Pichai um 40 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Außerdem verweist Pichai auf starke Nachfrage nach den Flash-Modellen, die einen „sweet spot“ aus Leistung und Kosten träfen. Das sind Herstellerangaben. Unabhängige Benchmarks und Preisvergleiche dazu liegen im Material nicht vor.
Offen bleibt, woher das Wachstum im Einzelnen kommt. Eine Aufschlüsselung fehlt: nach TPU, also Googles eigenen KI-Chips, nach der Vermietung von GPUs, nach Vertex AI, Workspace oder einzelnen Großverträgen. Damit lässt sich nicht beurteilen, ob die Beschleunigung auf einer breiten Kundenbasis ruht oder von wenigen großen Abschlüssen getragen wird. Auch die Sprünge beim Backlog erklärt das Material nicht im Detail. Pichais Satz, KI sei „the most profound platform shift of our lifetimes“, ist eine Selbstbeschreibung und kein Beleg.
Schneller als AWS und Azure, aber weiter der Kleinste
Beim Wachstum liegt Google Cloud klar vorn. AWS erzielte im zweiten Quartal 42,2 Milliarden Dollar Umsatz, ein Plus von 36,7 Prozent. Azure wuchs laut einer CRN-Auswertung um 43 Prozent. Google Cloud kommt auf 82 Prozent und wächst damit fast doppelt so schnell wie Azure und mehr als doppelt so schnell wie AWS. Bei den absoluten Zahlen bleibt Google der Kleinste: 24,8 Milliarden Dollar stehen 42,2 Milliarden bei AWS gegenüber.
Die Marktforscher von Synergy Research Group sehen den weltweiten Markt für Cloud-Infrastruktur im zweiten Quartal bei 143,4 Milliarden Dollar, ein Plus von rund 43 Prozent. AWS hält demnach 28 Prozent, Azure 20 Prozent und Google Cloud 15 Prozent. Für Google ist das der höchste Anteil bisher. AWS verlor binnen eines Jahres zwei Prozentpunkte.
Vorsicht beim direkten Vergleich. Synergy misst Infrastruktur-Dienste, Googles Cloud-Segment umfasst offenbar zusätzlich Anwendungen wie Gemini Enterprise. Die 82 Prozent und der 15-Prozent-Anteil beruhen damit nicht auf exakt derselben Abgrenzung. Ein Teil des Abstands zu AWS und Azure könnte allein daraus folgen.
Pichai spricht im Call von „Google Cloud’s leadership“. Beim Wachstum und beim Anteilsgewinn stützen die Zahlen das. Bei Umsatz und Marktanteil liegt Google weiter hinter AWS und Azure. Von einer Führungsposition im Ganzen lässt sich anhand dieser Zahlen nicht sprechen.
Gewinn und Marge: Warum die 35,6 % nicht als gesichert gelten
Die Aussage, Google Cloud „überholt die Konkurrenz“, stimmt beim Wachstum. Bei Marge oder Größe trifft sie so nicht pauschal zu. Webpronews nennt für die Sparte einen operativen Gewinn von 8,8 Milliarden Dollar nach 2,8 Milliarden im Vorjahr und eine Marge von 35,6 Prozent nach 20,7 Prozent. Diese Zahlen finden sich nur dort. Die Primärquelle haben wir nicht gefunden, und im vorliegenden Wortlaut von Pichais Call-Auftritt kommen sie nicht vor. Wir geben sie deshalb nur als unbestätigte Angabe wieder.
Auch bei der Gegenseite ist Vorsicht geboten. Für AWS nennt eine Auswertung von Secondtalent einen operativen Gewinn von 16,6 Milliarden Dollar, nach 10,2 Milliarden ein Jahr zuvor, und eine Marge von 39,4 Prozent. Dabei handelt es sich ausdrücklich um eine Eigenberechnung aus Amazons Segmenttabelle, nicht um eine von Amazon ausgewiesene Kennzahl.
Hinzu kommt: Die Segmente sind unterschiedlich abgegrenzt. Amazon weist AWS als eigenes Segment aus, Googles Cloud-Segment enthält offenbar auch Anwendungen. Margen aus zwei verschieden geschnittenen Segmenten, die eine aus einer Einzelquelle, die andere aus einer Eigenrechnung, tragen keinen belastbaren Vergleich. Ein Margenfazit ziehen wir deshalb nicht. Sicher ist nur: Beim Umsatz ist AWS deutlich größer, beim Wachstum liegt Google vorn.
Nachfrage über Angebot: 80 Milliarden Dollar für mehr Kapazität
Die nächste Grenze des Wachstums ist weniger die Nachfrage als die Kapazität. Pichai sagte bei einer Investorenpräsentation im Juni 2026, die Nachfrage von Unternehmen und Verbrauchern nach KI-Lösungen übersteige das verfügbare Angebot „meaningfully“. Alphabet will deshalb die Infrastruktur ausbauen und hat eine Eigenkapitalaufnahme von 80 Milliarden Dollar angekündigt. Darin enthalten sind 10 Milliarden Dollar von Berkshire Hathaway. Nach einer Anmerkung der Redaktion in der Präsentation war ein Teil der Platzierung überzeichnet. Erwartet wurden insgesamt etwa 85 Milliarden Dollar.
Dass ein Konzern dieser Größe Eigenkapital in dieser Höhe aufnimmt, zeigt, wie kapitalhungrig der Ausbau ist. Für Kunden heißt das: Sie müssen mit knapper Kapazität rechnen, solange neue Rechenzentren und Chips nicht bereitstehen. Der Backlog von 514 Milliarden Dollar wird nur dann zu Umsatz, wenn Google ihn auch liefern kann.
Zu möglichen Folgen für Deutschland oder die EU, etwa zu Kapazitäten in europäischen Regionen, enthält das vorliegende Material nichts.



