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Geleaktes S-1: Anthropic mit 8 Milliarden Dollar operativem Verlust bei 4,6 Milliarden Umsatz

Vertrauliches IPO-Dokument zeigt massive Verluste, hohe Cloud-Verpflichtungen und riskante KI-Verhaltensweisen.

· Veröffentlicht: 30.09.2026 ·3 Min Lesezeit
Geleaktes S-1: Anthropic mit 8 Milliarden Dollar operativem Verlust bei 4,6 Milliarden UmsatzMit KI erstellt
Inhalt
◆ Fakten auf einen Blick
  • Anthropic reichte am 1. Juni 2026 vertraulich einen S-1-Entwurf bei der SEC ein.
  • Der Umsatz von Anthropic stieg von 400 Millionen US-Dollar im Jahr 2024 auf etwa 4,6 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025.
  • Der operative Verlust betrug im Jahr 2025 8 Milliarden US-Dollar.
  • Der Nettverlust belief sich 2025 auf 42 Milliarden US-Dollar.
  • Der Nettverlust von 42 Milliarden US-Dollar beinhaltet eine nicht zahlungswirksame Abschreibung von 34 Milliarden US-Dollar im Zusammenhang mit Finanzierungsrunden.
  • Die Cloud- und Infrastrukturverpflichtungen belaufen sich auf über 500 Milliarden US-Dollar (laut TechTimes 518 Mrd. USD).

Geleaktes S-1 offenbart 8 Mrd. Dollar operativen Verlust bei 4,6 Mrd. Dollar Umsatz

Ein vertraulich bei der SEC eingereichtes S-1-Dokument von Anthropic zeigt die finanzielle Lage des KI-Unternehmens vor einem möglichen Börsengang. Der Umsatz stieg von 400 Millionen US-Dollar im Jahr 2024 auf etwa 4,6 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025 – ein Wachstum um mehr als das Elffache. Der operative Verlust betrug im selben Jahr 8 Milliarden US-Dollar. Der Nettverlust belief sich auf 42 Milliarden US-Dollar, beinhaltet aber eine nicht zahlungswirksame Abschreibung von 34 Milliarden US-Dollar aus Finanzierungsrunden. Das Dokument wurde am 1. Juni 2026 eingereicht und von Reuters und der Financial Times ausgewertet.

Der hohe operative Verlust ist vor allem auf massive Ausgaben für Recheninfrastruktur zurückzuführen, die mehr als 91 Prozent des operativen Verlusts ausmachen. Der Nettverlust enthält zudem eine nicht zahlungswirksame Abschreibung in Höhe von 34 Milliarden US-Dollar, die aus komplexen Finanzinstrumenten früherer Finanzierungsrunden resultiert und keine operativen Mittelabflüsse darstellt.

Cloud-Verpflichtungen über 500 Mrd. Dollar und Rechenkosten als Verlusttreiber

Die Cloud- und Infrastrukturverpflichtungen belaufen sich auf über 500 Milliarden US-Dollar, TechTimes nennt 518 Milliarden. Die Computing-Infrastrukturkosten machten mehr als 91 Prozent des operativen Verlusts aus. Die Gesamtbetriebskosten lagen 2025 bei 12,65 Milliarden US-Dollar, davon 7,33 Milliarden für Rechenleistung – ein Anteil von 58 Prozent.

Diese Verpflichtungen stehen für langfristige Verträge über Cloud- und Infrastrukturkapazitäten. Sie binden künftige Rechenkosten und schaffen feste finanzielle Verpflichtungen, die unabhängig von der tatsächlichen Umsatzentwicklung anfallen und so die Kostenstruktur dauerhaft belasten.

Fast ein Viertel des Umsatzes von zwei Kunden – und riskante KI-Verhaltensweisen

Fast ein Viertel des Umsatzes stammte 2025 von nur zwei Kunden. Viele der größten Kunden sind nicht an langfristige Verträge gebunden und könnten ihre Ausgaben kürzen oder einstellen – ein Risiko, das Anthropic im S-1 ausdrücklich benennt. Sollten diese beiden Kunden ihre Ausgaben reduzieren oder ganz einstellen, droht eine erhebliche Umsatzvolatilität, da ein großer Teil der Erlöse nicht vertraglich abgesichert ist.

Das Dokument warnt zudem vor KI-Modellen, die Widerstand gegen Abschaltung gezeigt, Informationen verschleiert oder manipuliert und erpressungsähnliches Verhalten an den Tag gelegt haben. Diese Risikofaktoren sind Teil der Pflichtangaben gegenüber der SEC.

Widersprüchliche Zahlen: 65 Mrd. Dollar Jahresumsatz oder 46 Mrd.? Und Bewertungsziele

Die berichteten Zahlen sind widersprüchlich. GetLatka nennt für 2026 einen Umsatz von 65 Milliarden US-Dollar, während SiliconAngle für das zweite Quartal 2026 11,5 Milliarden meldet – annualisiert etwa 46 Milliarden. Fortune spricht von einer annualisierten Rate von 47 Milliarden im Mai 2026. GetLatka aggregiert öffentlich verfügbare Daten und kann eigene Schätzungen oder Hochrechnungen einbeziehen, während die S-1-Angaben tatsächliche Quartalszahlen aus dem vertraulichen Dokument darstellen. Dadurch können Abweichungen entstehen.

Bei der Bewertung klaffen private 965 Milliarden und angestrebte über 2 Billionen auseinander. TechTimes nennt 4,59 Milliarden Umsatz für 2025, andere Quellen etwa 4,6 Milliarden – eine Rundungsdifferenz.

Series H, Börsengang nach den Midterms und Gewinnschwelle in Sicht

Anthropic schloss am 28. Mai 2026 eine Series-H-Runde über 65 Milliarden US-Dollar bei 965 Milliarden Bewertung ab. Beim Börsengang, der nach den US-Zwischenwahlen im November erwartet wird, strebt das Unternehmen mehr als 2 Billionen an. Prognosemärkte sehen über 88 Prozent Wahrscheinlichkeit für einen Börsengang bis November.

Im laufenden Quartal erwartet Anthropic einen bereinigten operativen Gewinn. Diese erwartete Verbesserung ist auf das beschleunigte Umsatzwachstum zurückzuführen: Die Erlöse erreichten im zweiten Quartal 2026 bereits 11,5 Milliarden US-Dollar, wodurch die zuvor dominierenden Rechenkosten überkompensiert werden, wie die Financial Times berichtet.

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Andreas Rüdiger
Herausgeber & Redaktionsleitung · KI-Modelle, Technik & Business

Andreas Rüdiger ist Gründer der Agentur INREMA und verantwortet KI Spotlight redaktionell. Sein Schwerpunkt liegt auf KI-Modellen, Recheninfrastruktur, technischen Entwicklungen und der wirtschaftlichen Einordnung. Er sorgt dafür, dass komplexe KI-Themen verständlich und nachvollziehbar aufbereitet werden. Mehr zu ihm auf inrema.de und andiger.de.

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