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F13: Baden-Württembergs souveräne Verwaltungs-KI im Praxistest

Baden-Württemberg stellt F13 als souveränes KI-Assistenzsystem im eigenen Rechenzentrum bereit. Ein Überblick über Funktionen, Rollout und offene Fragen.

· Veröffentlicht: 28.09.2026 ·6 Min Lesezeit
F13: Baden-Württembergs souveräne Verwaltungs-KI im PraxistestMit KI erstellt
Inhalt
◆ Fakten auf einen Blick
  • F13 ist ein souveränes KI-Assistenzsystem, umgesetzt von der Landesverwaltung Baden-Württemberg in Zusammenarbeit mit Aleph Alpha, PD GmbH, BITBW und STACKIT.
  • Die Einführung von F13 macht Baden-Württemberg zum ersten Bundesland, das Mitarbeitern der Landesverwaltung KI-Werkzeuge im eigenen Rechenzentrum bereitstellt.
  • F13 basiert auf Technologie von Aleph Alpha und wird vollständig auf eigener Infrastruktur betrieben, sodass generative KI auch mit internen Daten genutzt werden kann.
  • Der Prototyp von F13 umfasst dokumentierte Funktionen wie eine Zusammenfassungsfunktion mit wählbaren Komprimierungsstufen und einen Kabinettsvorlage-Vermerk; Computerwoche nennt außerdem eine Recherchefunktion.
  • Bei der Zusammenfassungsfunktion können Texte eingefügt und zwischen unterschiedlich starken Komprimierungsstufen gewählt werden; die Verarbeitung erfolgt in Sekunden, das Ergebnis kann kopiert oder heruntergeladen werden.
  • Zusammengefasste Texte erfordern stets die Durchsicht bzw. Kontrolle eines Menschen; eine Automatisierung von Prozessen ist nicht vorgesehen.

Baden-Württemberg schaltet F13 live: KI-Assistenz im eigenen Rechenzentrum

Baden-Württemberg hat als erstes Bundesland ein KI-Assistenzsystem für die Landesverwaltung im eigenen Rechenzentrum bereitgestellt. Das System mit dem Namen F13 – eine Anspielung auf die Funktionstasten einer Computertastatur, die bis F12 reichen – wurde am 25. Juli 2024 im IPAI SPACES in Heilbronn vorgestellt. Umgesetzt wurde es von der Landesverwaltung in Zusammenarbeit mit dem Heidelberger KI-Unternehmen Aleph Alpha, der PD GmbH, der Landesoberbehörde IT Baden-Württemberg (BITBW) und dem Cloud-Anbieter STACKIT.

F13 basiert auf Technologie von Aleph Alpha und wird vollständig auf eigener Infrastruktur betrieben. Das bedeutet, dass generative KI auch mit internen Daten genutzt werden kann, ohne dass diese die Landesverwaltung verlassen. Der GovTech Campus Deutschland kündigte bei der Vorstellung an, dass die Funktionen von F13 ab September 2024 auf Basis der neuesten Aleph-Alpha-Technologie für öffentliche Verwaltungen in Deutschland verfügbar sein werden.

Die beteiligten Partner bezeichnen F13 als neuen Maßstab in der Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung und als System, das höchsten Standards der Datensouveränität entspricht (Herstellerangabe). Als Begründung führen sie an, dass erstmals ein Bundesland KI-Werkzeuge im eigenen Rechenzentrum bereitstellt, sodass interne und personenbezogene Daten die Landesverwaltung nicht verlassen. Die Verarbeitung erfolgt auf eigener Infrastruktur. Unabhängige Studien, die diese Bewertung stützen, liegen nicht vor. Die Landesregierung selbst formuliert das Ziel, Baden-Württemberg zum "AI LÄND" und Europas Innovationsstandort Nummer Eins zu machen.

Was F13 konkret kann: Zusammenfassen, Vermerke, Recherche – mit menschlicher Kontrolle

Der Prototyp von F13 umfasst vier dokumentierte Funktionen. Die Zusammenfassungsfunktion erlaubt es, Texte einzufügen und zwischen unterschiedlich starken Komprimierungsstufen zu wählen. Die Verarbeitung erfolgt nach Angaben des Innovationslabors Baden-Württemberg innerhalb von Sekunden; das Ergebnis kann kopiert oder heruntergeladen werden. Eine zweite Funktion überführt Kabinettsvorlagen, die als Word-Dokument hochgeladen werden, in einen Kabinettsvorlage-Vermerk. Sachstand und Inhalt werden dabei automatisch zusammengefasst und in eine Vermerks-Vorlage übertragen. Die Computerwoche nennt darüber hinaus eine Recherchefunktion, mit der sich große Textmengen durchsuchen lassen.

Entscheidend ist die Einordnung: Zusammengefasste Texte erfordern stets die Durchsicht beziehungsweise Kontrolle eines Menschen. Eine Automatisierung von Prozessen ist nicht vorgesehen. F13 ist damit als Assistenzsystem konzipiert, das Verwaltungsmitarbeitende entlasten soll, nicht als Ersatz für menschliche Entscheidungen. Die Verantwortung für die Inhalte bleibt bei den Beschäftigten. Diese menschliche Kontrolle ist ein zentrales Element, um Fehler oder unerwünschte Ergebnisse der generativen KI zu erkennen und zu korrigieren.

Vom Pilot zum Rollout: Ministerien, Rechnungshof und BITBW sind an Bord

Der Rollout von F13 in den Landesministerien, beim Rechnungshof und bei der Landesoberbehörde IT Baden-Württemberg (BITBW) war Ende Oktober 2024 abgeschlossen. Damit steht die KI-Assistenz allen Ministeriumsmitarbeitern in Baden-Württemberg zur Verfügung. Das Land hatte zuvor eine Pilotierung durchgeführt und die aktuelle Version der Verwaltungs-KI F13 entwickelt.

Ministerpräsident Winfried Kretschmann betonte im November 2024, dass angesichts geopolitischer Herausforderungen digitale Souveränität nicht länger nur Thema von Ankündigungen sein dürfe, sondern umgesetzt werden müsse. Die Bedeutung dieser Aussage für F13 liegt auf der Hand: In einer Zeit, in der Abhängigkeiten von ausländischen Technologieanbietern als Risiko für die öffentliche Verwaltung gelten, stellt der Betrieb im eigenen Rechenzentrum eine konkrete Maßnahme dar, um die Kontrolle über sensible Verwaltungsdaten zu behalten. F13 adressiert diese Herausforderung, indem es auf eigener Infrastruktur läuft und mit Partnern wie STACKIT als souveränem Cloud-Anbieter zusammenarbeitet. Das Land plant nach eigenen Angaben die nächsten Schritte für ein KI-Ökosystem, darunter Schulungen und Weiterbildung im Bereich Künstlicher Intelligenz, um die Arbeitsweise der Verwaltung genauso fortschrittlich zu machen wie die eingesetzten Technologien.

Polizei nutzt F13 im Projekt KIRKE: generative KI für den Arbeitsalltag

Die Polizei Baden-Württemberg nutzt F13 im Projekt KIRKE – die Abkürzung steht für Künstliche Intelligenz für Recherche, Klassifizierung und Ermittlungsunterstützung. Damit beginnt bei der Polizei der Einsatz generativer KI im Arbeitsalltag. Konkrete Anwendungen sind Mailvorschläge, die Strukturierung von Alltagsaufgaben sowie die Zusammenfassung und Recherche in polizeilich relevanten Dokumenten wie dem Sicherheitsbericht. Diese Einsatzmöglichkeiten erfolgen nach Angaben der Polizei ohne Verwendung personenbezogener Daten.

Zugleich plant die Polizei eine Weiterentwicklung von F13 für die Verwendung generativer KI im Einsatz- und Ermittlungsumfeld. Ziel ist es, den rund 35.000 Mitarbeitenden der Polizei F13 für den polizeilichen Kontext zur Verfügung zu stellen. Ein konkreter Zeitplan für diese Erweiterung wird in den vorliegenden Unterlagen nicht genannt. Die schrittweise Ausweitung zeigt jedoch, dass F13 als Plattform für verschiedene Anwendungsfälle in der Landesverwaltung dienen soll.

Open Source und Länderinteresse: F13 als Blaupause für andere Verwaltungen

Seit dem 23. Juli 2025 steht F13 als Open-Source-Software unter dem Namen F13-OS zur Nachnutzung und gemeinsamen Weiterentwicklung zur Verfügung. Staatsminister Jörg Krauss und der Beauftragte der Landesregierung für Informationstechnologie, Stefan Krebs, stellten die Freigabe in Stuttgart vor. Baden-Württemberg schafft damit ein KI-Angebot, das von Bund, Ländern und Kommunen eingesetzt werden kann. Krebs bezeichnete den Weg zu F13-Open-Source als strategische Entscheidung, um die Souveränität der Verwaltung zu stärken und eine gemeinsame Weiterentwicklung zu ermöglichen.

Das Interesse anderer Bundesländer ist dokumentiert: Eine Umfrage der bkz bei den zuständigen Landesministerien ergab konkretes Interesse von sieben Ländern, darunter Sachsen, Thüringen und Saarland. Hamburg hat mit LLMoin ein ähnliches Programm entwickelt. Staatsminister Florian Stegmann hatte bereits im Juli 2025 angekündigt, dass F13 anderen Verwaltungen zur Nachnutzung angeboten werde. Ob und wann die interessierten Länder F13 tatsächlich übernehmen, ist bislang nicht belegt. Die Open-Source-Freigabe senkt jedoch die Hürde für eine Übernahme, da der Quellcode frei verfügbar ist und an lokale Bedürfnisse angepasst werden kann.

Finanzierung und Technologiepartner: Aleph Alpha unter Druck?

Die Finanzierungslage des Technologiepartners Aleph Alpha wirft Fragen auf. Von der zugesagten Finanzierungsrunde über 500 Millionen Euro sind zunächst nur 100 Millionen Euro geflossen. Die Schwarz-Gruppe hatte im Vorjahr gemeinsam mit dem Innovation Park Artificial Intelligence (Ipai) und Bosch 500 Millionen Euro in Aleph Alpha investiert. Geschäftsführer Jonas Andrulis räumte ein, dass das Unternehmen die Kommunikation hätte besser gestalten können. "Genauso wie unsere Technologie ist auch unsere Finanzierung komplex", sagte Andrulis.

Hinzu kommt die geplante Fusion mit dem kanadischen KI-Unternehmen Cohere. Beide Unternehmen unterzeichneten eine verbindliche Zusammenschlussvereinbarung. Welche Auswirkungen dieser Zusammenschluss auf die Technologie von F13 und die weitere Finanzierung hat, ist offen. Daraus ergeben sich konkrete Fragen: Führt die Fusion zu einer Umverteilung von Ressourcen, sodass die Weiterentwicklung der Aleph-Alpha-Technologie, auf der F13 basiert, an Priorität verliert? Ist bei ausbleibender Finanzierung gewährleistet, dass Sicherheitsupdates und funktionale Erweiterungen weiterhin bereitgestellt werden? Diese Fragen betreffen die langfristige Stabilität und Sicherheit von F13, auch wenn das System vollständig auf eigener Infrastruktur betrieben wird. Die zugrunde liegende Software muss gepflegt und weiterentwickelt werden, und für die Landesverwaltung Baden-Württemberg bleibt offen, wie stabil die technologische Basis langfristig ist.

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Jasmin Freitag
Redaktion · KI-Anwendungen & Tools

Jasmin Freitag beobachtet für KI Spotlight die praktische Seite der künstlichen Intelligenz: neue Anwendungen, generative Werkzeuge, kreative KI und den Einsatz von Tools im Alltag und in Unternehmen. Sie erklärt praxisnah, was ein Werkzeug wirklich taugt.

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