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Ducati schickt Kundenkonfiguration direkt ans Band

Ducati hat für die Multistrada V4 einen digitalen Konfigurationsprozess eingeführt, der die Online-Konfiguration direkt mit der Fertigung in Borgo Panigale verbindet. Technische Grundlage ist die Elastic Content Platform (ECP) von MHP, die Gaming-Technologie und KI-generierte Inhalte nutzt, um Produ

Veröffentlicht: 26.07.2026 ·Aktualisiert: 26.07.2026 ·4 Min Lesezeit
Ducati schickt Kundenkonfiguration direkt ans BandMit KI erstellt

Ducati schickt Kundenkonfiguration direkt ans Band

Ducati durchbricht die Trennung zwischen digitalem Schaufenster und Fabrikhalle. Für das Modell Multistrada V4 hat der italienische Hersteller einen digitalen Konfigurationsprozess eingeführt, bei dem die im Webbrowser getroffenen Auswahlentscheidungen unmittelbar an die Produktionslinie im Stammwerk Borgo Panigale übermittelt werden. Wer online etwa die Sitzhöhe, die Farbe der Bremszangen oder Zusatzscheinwerfer festlegt, löst damit direkt einen Fertigungsauftrag aus – ohne manuelle Zwischenschritte, ohne erneute Dateneingabe durch Händler oder Werkplaner. Die produktionsrelevanten Konfigurationsdaten werden direkt in den Herstellungsprozess übertragen. Nach Angaben des Unternehmens handelt es sich bei der Multistrada V4 um das erste Modell, bei dem diese durchgängige digitale Kette vom Kundenwunsch bis zur Montage realisiert wurde. Die Neuerung markiert eine Premiere: Erstmals werden Konfiguration, Visualisierung und Fertigung in einem einzigen, verbundenen digitalen Prozess zusammengeführt. Die Online-Konfiguration wird so zum direkten Produktionsauslöser. Statt dass ein Händler die Wünsche in ein Bestellsystem eintippt, fließen die Daten automatisch in die Fertigungssteuerung. Das spart Zeit und vermeidet Übertragungsfehler.

Gaming-Engine und KI als Produktionshelfer

Technische Grundlage des neuen Prozesses ist die Elastic Content Platform (ECP) der Porsche-Tochter MHP. Die Plattform verknüpft Gaming-Technologie mit KI-generierten Inhalten und bildet so das Rückgrat für die durchgängige Datenkette. Im Konfigurator sorgt die Gaming-Technologie für eine fotorealistische Echtzeit-Visualisierung des konfigurierten Motorrads – jede Auswahl wird unmittelbar bildlich dargestellt. Gleichzeitig erzeugt die KI aus den Konfigurationsdaten die für die Produktion notwendigen Inhalte. Das können Montageanweisungen, Stücklisten oder andere fertigungsrelevante Informationen sein, die direkt an die Produktionssteuerung übermittelt werden. So weiß das Montagepersonal am Band exakt, welche spezifischen Teile an dem jeweiligen Fahrzeug zu verbauen sind, ohne dass ein separater Planungsdurchlauf nötig wäre. Die Konfigurationsdaten fließen also in Echtzeit in den Produktionsprozess ein – ein durchgehender Datenstrom, der manuelle Übertragungsfehler eliminiert und die Zeit zwischen Bestellung und Produktionsstart verkürzt. Die KI-generierten Inhalte umfassen dabei nicht nur statische Daten, sondern können auch dynamisch auf Änderungen reagieren. Die Plattform extrahiert aus der Konfiguration jene Parameter, die für die Fertigung relevant sind, und wandelt sie in maschinenlesbare Anweisungen um. Auf diese Weise wird die Lücke zwischen dem digitalen Kundenerlebnis und der physischen Montage geschlossen.

Echtzeit-Fertigung senkt Kosten und stärkt Individualisierung

Ducati verspricht sich von der Umstellung eine signifikante Senkung der Produktionskosten. Der Grund: Die direkte Datenübertragung macht manuelle Übertragungs- und Abstimmungsprozesse überflüssig. Bisher mussten Konfigurationswünsche mehrfach erfasst, geprüft und in Fertigungsaufträge übersetzt werden – Schritte, die nun entfallen. Zudem reduziert die automatisierte Erstellung von Produktionsinhalten durch KI den Planungsaufwand. Für Kunden bedeutet das Verfahren ein verbessertes Erlebnis, weil individuelle Anpassungen ohne Medienbrüche möglich werden – die im Konfigurator getroffene Wahl wird exakt so am Band umgesetzt. Die nahtlose Verbindung von Kundenerlebnis und Fertigung stärkt die Individualisierung, da Sonderwünsche nicht mehr durch manuelle Planungsschritte ausgebremst werden. Für Wettbewerber könnte dieses Modell zum Maßstab werden: Wenn Ducati durch die nahtlose Integration schneller liefern und mehr Individualisierungsoptionen zu geringeren Kosten anbieten kann, geraten andere Premiumhersteller unter Zugzwang, ähnliche digitale Prozesse einzuführen, um bei anspruchsvollen Kunden nicht ins Hintertreffen zu geraten. Auch Zulieferer könnten betroffen sein, da die direkte Anbindung die Durchlaufzeiten verkürzt und möglicherweise die Anforderungen an die Teilebereitstellung verändert.

MHP positioniert sich als Industrie-4.0-Plattform

Für die Management- und IT-Beratung MHP ist Ducati ein strategisch wichtiger Referenzkunde. Das Unternehmen, das zur Porsche AG gehört, kann mit dem Projekt belegen, dass seine Elastic Content Platform nicht nur für virtuelle Showrooms, sondern auch für die direkte Anbindung an die Fertigung taugt. Die Plattform verknüpft erstmals Konfiguration, Visualisierung und Produktion in einem durchgängigen Prozess – ein Beleg für die Industrie-4.0-Fähigkeiten von MHP. Dass Gaming-Technologie und KI-generierte Inhalte dabei zusammenfinden, ist kein Zufall: Wie ein früherer Artikel berichtete, erlaubt etwa Fortnite seit einiger Zeit KI-gestützte NPCs mit eigenen Stimmen und Persönlichkeiten – ein Beispiel dafür, wie KI in Echtzeitumgebungen Einzug hält. MHP überträgt dieses Prinzip nun in die industrielle Produktion und positioniert sich damit als Anbieter einer Plattform, die digitale Kundenerlebnisse mit der physischen Wertschöpfung verbindet. Der erfolgreiche Einsatz bei Ducati unterstreicht die Leistungsfähigkeit der Plattform und dürfte das Interesse anderer Hersteller wecken.

Quellen

  1. mhp.com ↗

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