Aus 17 manuellen Schritten wird ein KI-Governance-Framework: Sparkassen-Newsroom zeigt, wie Governance von Anfang an gelingt
Die Analyse des Redaktionsprozesses der S-Com offenbarte enormes Automatisierungspotenzial und führte zur Entwicklung eines Compliance-Frameworks – ein Modell für die Branche, in der 88 Prozent der Profis noch ohne Governance für agentische KI arbeiten.
Mit KI erstelltInhalt
◆ Fakten auf einen Blick
- S-Com ist die Kommunikationseinheit der Sparkassen-Finanzgruppe und produziert Ratgeberartikel, Kampagnenseiten und Verbraucherinformationen für sparkasse.de im Auftrag von rund 340 Sparkassen.
- Vor zwei Jahren analysierte die Projektverantwortliche den Redaktionsprozess: 17 Einzelschritte, mehr als die Hälfte davon manuelle Übergaben zwischen Jira, Word, Slack und dem CMS.
- Aus dieser Analyse entstand ein Compliance-Framework aus eigenem Antrieb.
- Die KI-Strategie der Sparkassen setzt auf ein großes Maß an digitaler Souveränität und stellt Datenschutz und Informationssicherheit in den Vordergrund.
- Das Qualifizierungskonzept der Sparkassen umfasst ein kostenfreies Web-Based-Training, das die regulatorischen Anforderungen des EU AI Acts Artikel 4 erfüllt.
- Der EU AI Act sieht ab dem 2. Februar 2025 verpflichtende Schulungsmaßnahmen für Mitarbeitende vor.
Vom 17-Schritte-Prozess zum automatisierten Newsroom
Die S-Communication Services GmbH (S-Com) produziert als Kommunikationseinheit der Sparkassen-Finanzgruppe täglich Ratgeberartikel, Kampagnenseiten und Verbraucherinformationen für sparkasse.de – im Auftrag von rund 340 Sparkassen. Vor zwei Jahren nahm eine Projektverantwortliche den gesamten Redaktionsprozess auseinander und identifizierte 17 Einzelschritte. Mehr als die Hälfte davon waren manuelle Übergaben zwischen Jira, Word, Slack und dem Content-Management-System. Diese detaillierte Analyse offenbarte einen fragmentierten Workflow mit zahlreichen Medienbrüchen und ein erhebliches Automatisierungspotenzial. Aus eigenem Antrieb entwickelte das Team daraufhin ein umfassendes Compliance-Framework für den KI-Einsatz. Das Ziel: eine durchgängig digitalisierte und automatisierte Wertschöpfungskette, die von der Themenfindung über die automatisierte Texterstellung bis zur direkten Ausspielung reicht. Das Framework schafft die Voraussetzung, um generative KI sicher und skalierbar in den Redaktionsalltag zu integrieren, ohne dass dabei manuelle Reibungsverluste oder unkontrollierte Prozesse entstehen.
Regulatorischer Rückenwind: EU AI Act und digitale Souveränität
Die Initiative fällt in eine Zeit, in der regulatorische Vorgaben den Handlungsdruck erhöhen. Die Sparkassen-Finanzgruppe verfolgt nach eigenen Angaben (Herstellerangabe) eine KI-Strategie, die auf ein großes Maß an digitaler Souveränität setzt und Datenschutz sowie Informationssicherheit in den Vordergrund stellt. Der EU AI Act schreibt seit dem 2. Februar 2025 verpflichtende Schulungsmaßnahmen für alle Mitarbeitenden vor, die mit KI-Systemen arbeiten. Artikel 4 verlangt, dass Anwenderinnen und Anwender unter Berücksichtigung ihrer technischen Kenntnisse, Erfahrung und Ausbildung qualifiziert werden. Die Sparkassen setzen dies mit einem kostenfreien Web-Based-Training um, das genau diese regulatorischen Anforderungen erfüllt. Das aus der Prozessanalyse entstandene Governance-Framework von S-Com fügt sich in diese Strategie ein: Es zeigt, wie KI-Governance in einem konkreten Anwendungsfall – der redaktionellen Content-Produktion – von Beginn an mitgedacht werden kann. So entsteht eine durchgängige Kette von der Sensibilisierung der Beschäftigten bis zur organisatorischen Absicherung der KI-Anwendungen.
Praxisnutzen und die Lücke in der Finanzbranche
Das Framework soll dazu beitragen, die Effektivität und Effizienz der KI-Nutzung in der gesamten Sparkassen-Finanzgruppe zu steigern und die Kundenerfahrung zu verbessern. Laut Herstellerangaben (Sparkassen-Finanzgruppe) macht Business KI die Künstliche Intelligenz in der Organisation sicher, datenschutzkonform und praxisnah; eingesetzte KI-Lösungen sollen es ermöglichen, effektiver und effizienter zu arbeiten und die Kundenerfahrung zu verbessern. Voraussetzung dafür seien gute Datenqualität, befähigte Mitarbeitende und eine konsequente Umsetzung. Die Initiative stößt in eine branchenweite Lücke: Noch immer verfügen 88 Prozent der Finanzprofis über keine Governance für agentische KI. Während viele Institute noch mit Pilotprojekten experimentieren, setzt der Sparkassen-Newsroom auf einen strukturierten Ansatz, der Governance nicht nachträglich aufsetzt, sondern von Beginn an in die Prozessdigitalisierung einwebt. Die zentrale Lehre: Wer KI produktiv und compliant skalieren will, muss Governance-Strukturen nicht als lästige Pflicht, sondern als integralen Bestandteil der Automatisierung denken.



