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Anthropic strebt Börsengang vor Thanksgiving an

Bloomberg berichtet über eine Zielmarke vor Thanksgiving, während der Prozess über eine vertrauliche S-1-Einreichung und einen veröffentlichten Prospekt läuft. Ein Listing-Datum ist nicht bestätigt.

· Veröffentlicht: 03.10.2026 ·3 Min Lesezeit
Anthropic strebt Börsengang vor Thanksgiving anMit KI erstellt
Inhalt
◆ Fakten auf einen Blick
  • Anthropic hat im Mai 2026 eine Series-H-Finanzierungsrunde über 65 Mrd. USD abgeschlossen, die das Unternehmen mit 965 Mrd. USD post-money bewertet.
  • Anthropic hat am 1. Juni 2026 einen vertraulichen S-1-Entwurf bei der SEC eingereicht.
  • Morgan Stanley, Goldman Sachs und JPMorgan Chase wurden als Lead-Underwriter für den IPO ausgewählt.
  • Anthropic arbeitet an einer 15-Mrd.-USD-Kreditfazilität, die vor dem Börsengang abgeschlossen werden soll. Morgan Stanley führt das Konsortium an, Goldman Sachs, JPMorgan Chase und Citigroup halten prominente Positionen.
  • Anthropic erwartet laut informierter Personen, die Größe des SpaceX-Rekord-IPO (75 Mrd. USD, mit Overallotment 86,2 Mrd. USD) zu erreichen oder zu übertreffen.
  • Anthropic erzielte 2025 einen Umsatz von rund 4,6 Mrd. USD, gegenüber rund 400 Mio. USD im Jahr 2024.

Thanksgiving als Zielmarke für den Börsengang

Wie Bloomberg berichtet, strebt Anthropic einen Börsengang vor Thanksgiving an. Der Prozess läuft über eine vertrauliche S-1-Einreichung bei der US-Börsenaufsicht SEC, die am 1. Juni dieses Jahres erfolgte, sowie über einen am 29. September veröffentlichten Prospekt. Ein konkretes Listing-Datum ist damit nicht bestätigt. Das Angebot kann sich verzögern oder zurückgezogen werden, falls Marktbedingungen oder regulatorische Prüfungen dies erfordern. Der IPO-Aktienpreis und das Tickersymbol wurden noch nicht bekannt gegeben.

965 Milliarden Dollar private Bewertung und hohe Verluste

Die zuletzt bestätigte private Bewertung von Anthropic liegt bei 965 Milliarden Dollar. Sie stammt aus der Series-H-Finanzierungsrunde im Mai dieses Jahres, in der das Unternehmen 65 Milliarden Dollar aufnahm. Diese Bewertung übertraf die letzte bekannt gegebene Bewertung des Rivalen OpenAI von 852 Milliarden Dollar aus einer Runde im März. Der im September veröffentlichte Prospekt zeigt ein schnelles Umsatzwachstum: 2025 erzielte Anthropic rund 4,6 Milliarden Dollar Umsatz, nach rund 400 Millionen Dollar im Jahr 2024. Gleichzeitig verzeichnete das Unternehmen 2025 einen Nettoverlust von rund 42 Milliarden Dollar – etwa das Vierfache des Verlusts von 8,3 Milliarden Dollar aus 2024. Die hohen Verluste gehen vor allem auf Infrastrukturkosten zurück, die sich 2025 fast verdreifachten und mehr als die Hälfte der gesamten Betriebsausgaben von 12,65 Milliarden Dollar ausmachten. Die 965-Milliarden-Dollar-Bewertung ist eine private Bewertung aus der Finanzierungsrunde und keine bestätigte IPO-Bewertung; die spätere öffentliche Bewertung kann höher oder niedriger ausfallen.

Lead-Underwriter und 15-Milliarden-Dollar-Kreditfazilität

Für den Börsengang hat Anthropic Morgan Stanley, Goldman Sachs und JPMorgan Chase als Lead-Underwriter ausgewählt. Das berichtete Bloomberg Anfang Juni, zwei Tage nach der vertraulichen S-1-Einreichung und drei Tage nach Abschluss der Series-H-Runde. Parallel arbeitet das Unternehmen an einer Kreditfazilität über 15 Milliarden Dollar. Morgan Stanley führt das Konsortium an, Goldman Sachs, JPMorgan Chase und Citigroup halten prominente Positionen. Die neue Fazilität ist sechsmal so groß wie eine frühere Kreditlinie über 2,5 Milliarden Dollar aus dem Jahr 2025, an der neben Morgan Stanley auch Barclays, Citigroup, Goldman Sachs, JPMorgan, Royal Bank of Canada und Mitsubishi UFJ Financial Group beteiligt waren. Laut Reuters ist die Verzögerung des Börsengangs mit den laufenden Bemühungen verbunden, die 15-Milliarden-Dollar-Kreditfazilität abzuschließen, die gesichert sein muss, bevor nachfolgende Prozesse fortgesetzt werden können.

Widersprüchliche Signale zu Zeitplan und Bewertung

In den Berichten zu Anthropics Börsengang zeigen sich drei dokumentierte Widersprüche. Erstens: Das Thanksgiving-Ziel aus dem jüngsten Bloomberg-Bericht steht gegen frühere Meldungen, wonach der Börsengang erst nach den US-Zwischenwahlen im November stattfinden könnte, mit einer Roadshow frühestens Mitte Oktober. Zweitens: Die bestätigte private Bewertung von 965 Milliarden Dollar kontrastiert mit Marktspekulationen über eine mögliche IPO-Bewertung von bis zu 2 Billionen Dollar, die den größten Börsengang der Geschichte bedeuten würde. Drittens: Die Rollenverteilung der Underwriter wird unterschiedlich berichtet – zunächst hieß es, Morgan Stanley und Goldman Sachs führten das Konsortium an, später wurde Morgan Stanley die „Lead-Left“-Rolle zugeschrieben, Goldman Sachs die Rolle des Stabilisierungsagenten, während JPMorgan, Citigroup und Barclays bedeutende Rollen erhalten sollten. Diese Widersprüche gehen auf unterschiedliche Berichtszeitpunkte und Informationsstände zurück; die Rollen sind möglicherweise noch nicht final festgelegt.

Druck auf OpenAI und Entscheidungszwang für Investoren

Anthropic hat OpenAI bei der privaten Bewertung überholt, und beide Unternehmen konkurrieren um dasselbe institutionelle Kapital. Die größten Investoren von Anthropic – Amazon, Google, Microsoft und Nvidia – sind zugleich die wichtigsten Lieferanten von Rechenleistung für das Unternehmen. Ein erfolgreicher Börsengang könnte ihre Beteiligung aufwerten und die bestehenden Geschäftsbeziehungen stärken. Die SEC muss den S-1-Antrag prüfen, bevor ein öffentliches Angebot möglich ist; das Angebot kann sich verzögern oder zurückgezogen werden. Institutionelle Investoren stehen vor der Entscheidung, ob sie sich an einem hoch bewerteten, aber verlustreichen Unternehmen beteiligen. Der Nettoverlust 2025 lag bei rund 42 Milliarden Dollar, während der Umsatz von 400 Millionen auf 4,6 Milliarden Dollar sprang. Der erwartete IPO-Umfang könnte die Größenordnung des SpaceX-Rekord-IPO von 75 Milliarden Dollar erreichen oder übertreffen, was den Druck auf beide KI-Unternehmen erhöht.

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Andreas Rüdiger
Herausgeber & Redaktionsleitung · KI-Modelle, Technik & Business

Andreas Rüdiger ist Gründer der Agentur INREMA und verantwortet KI Spotlight redaktionell. Sein Schwerpunkt liegt auf KI-Modellen, Recheninfrastruktur, technischen Entwicklungen und der wirtschaftlichen Einordnung. Er sorgt dafür, dass komplexe KI-Themen verständlich und nachvollziehbar aufbereitet werden. Mehr zu ihm auf inrema.de und andiger.de.

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