OpenAI führt GPT-Live ein: ChatGPT kann nun gleichzeitig zuhören und sprechen
Das neue Sprachmodell mit Full-Duplex-Architektur soll natürlichere Gespräche erlauben, delegiert komplexe Aufgaben an GPT-5.5 und ist in zwei Varianten verfügbar.
Mit KI erstelltOpenAI hat GPT-Live vorgestellt, ein Sprachmodell für ChatGPT, das Live-Unterhaltungen natürlicher machen soll. Die Full-Duplex-Architektur erlaubt erstmals gleichzeitiges Hören und Sprechen – statt des bisherigen Wechselspiels, bei dem das Modell erst nach dem Nutzer antwortet. Mehrfach pro Sekunde entscheidet das System, ob es spricht, weiter zuhört, pausiert oder das Wort ergreift. Füllphrasen wie „mhmm“ oder „got it“ halten den Gesprächsfluss aufrecht; Unterbrechungen und Denkpausen verarbeitet es ähnlich wie ein Mensch.
Ab sofort rollt OpenAI zwei Varianten weltweit aus: GPT-Live-1 für zahlende Nutzer (Go, Plus, Pro) und GPT-Live-1 mini für kostenlose Accounts. Beide laufen auf iOS, Android und im Web; ein API-Zugang soll in Kürze folgen. In Tests bevorzugten Probanden GPT-Live-1 laut OpenAI in 75,7 Prozent der Fälle gegenüber dem bisherigen Voice Mode, GPT-Live-1 mini in 69,2 Prozent. ChatGPT Voice blendet nun während des Gesprächs visuelle Karten zu Wetter, Aktienkursen oder Sportergebnissen ein. Die neun verfügbaren Stimmen hat OpenAI überarbeitet. Video- und Screen-Sharing im Voice-Modus fehlen zum Start, sollen aber bald nachgereicht werden.
Unter der Haube trennt GPT-Live Gesprächsführung und Reasoning. Erfordert eine Frage Websuche, logisches Denken oder agentische Fähigkeiten, delegiert das Modell die Aufgabe im Hintergrund an ein separates System – derzeit GPT-5.5. Während dieses arbeitet, hält GPT-Live die Konversation aufrecht und überbrückt die Wartezeit. Nutzer können zudem die Reasoning-Stufe wählen: „Instant“ für schnelle Antworten, „Medium“ und „High“ für komplexere Aufgaben. Damit soll GPT-Live eine Schwäche früherer Live-Modelle beheben. Laut OpenAI antworteten diese oft nur mit ihren eigenen, begrenzten Fähigkeiten und blieben dadurch qualitativ hinter den Frontier-Modellen zurück.
OpenAI bewirbt zudem eine neue Desktop-App, die Chat, Work und Codex bündeln soll. Details zu dieser Integration sind rar, unabhängige Bestätigungen fehlen. Im Vordergrund steht GPT-Live. Es könnte verändern, wie Nutzer mit ChatGPT sprechen. Offen bleibt, wie sich die Full-Duplex-Architektur im Alltag bewährt, wie hoch die Latenz bei der Delegation an GPT-5.5 ausfällt und wann die angekündigten Video-Features verfügbar sind.


